#istanbulrecap: Aus gegebenem Anlass

April 16, 2017 by Julia
Istanbul / Persönlich

Aus gegebenem Anlass 1

Teil zwei meiner Serie #istanbulrecap. Eigentlich ist die Bezeichnung nicht treffend und ich habe auch keine Restaurant- oder Sightseeing-Tipps in diesem Post. Es sind die paar Worte, die ich nach dem Putschversuch niedergeschrieben hatte, aber nicht gut genug fand, um sie zu veröffentlichen. Aber da sich heute die Zukunft der Türkei vermutlich maßgeblich entscheidet, finde ich meine damaligen Gedanken doch wieder interessant. Ironischerweise habe ich von meinen Eltern zu Ostern heute das Buch „Cevdet und seine Söhne“ von Orhan Pamuk geschenkt bekommen. Ein Buch, das die Anfänge der türkischen Republik in Istanbul beschreibt. Ich hoffe das Beste für dieses noch recht junge Land. Wie auch immer das aussehen mag. 

Wenn immer ich etwas posten wollte, überschlugen sich die Ereignisse in der Türkei. Erst der Anschlag am Atatürk-Flughafen, dann der versuchte Militärputsch. Und seitdem vergeht kein Tag ohne erneute schockierende Meldung aus der Türkei. Schockierend zumindest für alle Befürworter von Menschenrechten.

Ich mag es nicht, vorschnell Schlüsse zu ziehen, sobald etwas passiert ist. Nicht immer ist die Lage Stunden später klar, Gerüchte entstehen, und später meist dann auch Angst. Da ich nicht in Istanbul war, kann ich auch nicht viel dazu berichten. Dennoch bin ich zutiefst traurig über alle Opfer, die diese Geschehnisse forderten. Und ich meine hiermit auch den beginnenden Verfall der Demokratie, die sich weiter aufspaltende Gesellschaft und das Bild der Türkei, vor allem aus westlicher Sicht. Ich bekomme immer wieder mit, wie Menschen negative Worte über die Türkei generell verlieren, mit der Begründung, sie hätten Angst, dorthin zu fliegen. Wie hier bereits geschrieben, sollte niemand Angst haben müssen und es ist jedermanns gutes Recht, sich dort aufzuhalten, wo er sich sicher fühlt. Aber ist das ganze Land schlecht, weil die politische Lage momentan ziemlich instabil ist?

In der Türkei hat für mich während meiner ganzen Zeit die Politik nur passiv eine Rolle gespielt. Aktiv konnte ich (fast) tun und lassen, was ich wollte – ich meine jene Dinge, die ich auch in Deutschland oder woanders getan hätte. In meinen Erinnerungen sind es nicht die mehr oder minder kritisierbaren Entscheidungen Erdogans, die mein Aufenthalt in der Türkei ausmachen, sondern die vielen Gläser Cay abends mit Freunden, Sonnenuntergänge, das Geschrei der Möwen, Traumstrände, frisches Obst und Gemüse, tolle Landschaften, herzliche und hilfsbereite Leute und auch die Rufe der Muezzine, fünfmal täglich. Was ich sagen will: Die Türkei ist viel, viel mehr als das, was man momentan in den Nachrichten liest. Und mir gefällt es nicht, wenn das in Vergessenheit gerät.


3 Kommentare zu #istanbulrecap: Aus gegebenem Anlass

  • Ich hab von meinem Vater die Buchempfehlung Memed mein Falke bekommen. Es geht um den Kampf gegen Diktatur und Ungerechtigkeit und das Buch ist jetzt schon eins meiner Lieblingsbücher, da es einfach wunderbar geschrieben ist. <3 Ich denke auch, dass es keinen sicherheitstechnischen Grund gibt, weshalb man nicht in die Türkei fliegen sollte. Allerdings denke ich schon, dass man es aus politischen Gründen ablehnen kann. Ich würde derzeit auch nicht unbedingt mit Turkish Airlines fliegen, auch wenn es die beste Fluglinie Europas ist. Angst kann man ja mittlerweile überall haben, in der Türkei nicht mehr als an jedem anderen Mittelmeerland, aber für mich spielt eben diese politische Komponente eine Rolle. Deshalb widerstrebt es mir auch, nach Amerika zu fliegen oder in eins der Emirate. Zumindest nicht als Urlauber, um einen auf heile Welt zu machen.

    Liebe Grüße und frohe Ostern,

    Joanna <3

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