istanbulrecap


#istanbulrecap: Aus gegebenem Anlass

Teil zwei meiner Serie #istanbulrecap. Eigentlich ist die Bezeichnung nicht treffend und ich habe auch keine Restaurant- oder Sightseeing-Tipps in diesem Post. Es sind die paar Worte, die ich nach dem Putschversuch niedergeschrieben hatte, aber nicht gut genug fand, um sie zu veröffentlichen. Aber da sich heute die Zukunft der Türkei vermutlich maßgeblich entscheidet, finde ich meine damaligen Gedanken doch wieder interessant. Ironischerweise habe ich von meinen Eltern zu Ostern heute das Buch „Cevdet und seine Söhne“ von Orhan Pamuk geschenkt bekommen. Ein Buch, das die Anfänge der türkischen Republik in Istanbul beschreibt. Ich hoffe das Beste für dieses noch recht junge Land. Wie auch immer das aussehen mag. 

Wenn immer ich etwas posten wollte, überschlugen sich die Ereignisse in der Türkei. Erst der Anschlag am Atatürk-Flughafen, dann der versuchte Militärputsch. Und seitdem vergeht kein Tag ohne erneute schockierende Meldung aus der Türkei. Schockierend zumindest für alle Befürworter von Menschenrechten.

Ich mag es nicht, vorschnell Schlüsse zu ziehen, sobald etwas passiert ist. Nicht immer ist die Lage Stunden später klar, Gerüchte entstehen, und später meist dann auch Angst. Da ich nicht in Istanbul war, kann ich auch nicht viel dazu berichten. Dennoch bin ich zutiefst traurig über alle Opfer, die diese Geschehnisse forderten. Und ich meine hiermit auch den beginnenden Verfall der Demokratie, die sich weiter aufspaltende Gesellschaft und das Bild der Türkei, vor allem aus westlicher Sicht. Ich bekomme immer wieder mit, wie Menschen negative Worte über die Türkei generell verlieren, mit der Begründung, sie hätten Angst, dorthin zu fliegen. Wie hier bereits geschrieben, sollte niemand Angst haben müssen und es ist jedermanns gutes Recht, sich dort aufzuhalten, wo er sich sicher fühlt. Aber ist das ganze Land schlecht, weil die politische Lage momentan ziemlich instabil ist?

In der Türkei hat für mich während meiner ganzen Zeit die Politik nur passiv eine Rolle gespielt. Aktiv konnte ich (fast) tun und lassen, was ich wollte – ich meine jene Dinge, die ich auch in Deutschland oder woanders getan hätte. In meinen Erinnerungen sind es nicht die mehr oder minder kritisierbaren Entscheidungen Erdogans, die mein Aufenthalt in der Türkei ausmachen, sondern die vielen Gläser Cay abends mit Freunden, Sonnenuntergänge, das Geschrei der Möwen, Traumstrände, frisches Obst und Gemüse, tolle Landschaften, herzliche und hilfsbereite Leute und auch die Rufe der Muezzine, fünfmal täglich. Was ich sagen will: Die Türkei ist viel, viel mehr als das, was man momentan in den Nachrichten liest. Und mir gefällt es nicht, wenn das in Vergessenheit gerät.

#istanbulrecap: Kahvalti

 

Teil eins meines #istanbulrecap soll um meine Lieblingsmahlzeit gehen. Die Texte der Reihe sind in der Regel schon länger geschrieben, wurden aber zuvor nicht veröffentlicht. Ich versuche in dieser Reihe auch Tipps für einen Aufenthalt in Istanbul mitzugeben. #istanbulrecap wird demnach auch so etwas wie mein kleiner, persönlicher Guide für Istanbul. Viel Spaß beim Lesen!

Einen Monat lang bin ich nun schon in Deutschland. Der Kulturschock ist überwunden, mein türkischer Wortschatz wird leider ein bisschen geringer (ist aber dank Harika weiterhin in Benutzung) und ich arbeite nun mal wieder 40h die Woche. Das bedeutet Aufstehen um 04:30 Uhr und den Rest des Tages dann semi-wach überleben.

Mein Leben hier zurück auf dem Land kann kaum gegensätzlicher zu dem in Istanbul sein. Ein Jahr lang hatte ich keinen Alltag. Und irgendwie war das auch ein bisschen anstrengend, aber sehr spannend und hat mir vor allem auch sehr viel Spaß bereitet. Es gab selten zwei aufeinanderfolgende Tage, an denen ich zur gleichen Zeit ins Bett und geschweige denn aufgestanden bin. Aber eine Sache hatte Beständigkeit: Kahvalti. Also türkisches Frühstück. (mehr …)