Stichtag Weihnachten

Dezember 24, 2018 by Julia
Persönlich

Weihnachtskekse auf Blech

Zu Weihnachten zur Familie zu fahren ist jedes Mal wieder Recap auf das vergangene Jahr. Was ist im vergangenen Jahr passiert? Wo stehe ich? Wie sind meine Aussichten auf die Zeit zwischen den Jahren und auf das, was danach alles folgt? Und wie weit habe ich mich von der Person entfernt, die vor einigen Jahren das Dorf verlassen hat? Während ich im Zug sitze, stelle ich mir unweigerlich diese Fragen. Um sie ein paar Stunden später meinen Eltern in verkürzter Version (“Und wie geht’s jetzt weiter?”) zu beantworten, und einige Tage später meinen Verwandten (“Und was genau machst du jetzt?”).

Weihnachten und generell das Jahresende scheinen Stichtage zu sein, den eigenen Fortschritt festzustellen und zu den Vorjahren zu vergleichen — und sei er noch so klein. “Hauptsache, es geht voran.” Ich weiß nicht, wie häufig ich diesen Satz bereits gehört habe. Oder ihn vielleicht auch selbst gesagt habe. Bloß schade, wenn niemand aus der Verwandtschaft bei dir Fortschritt sehen kann. Oder sehen möchte.

Das vergangene Jahr war jenes, in welchem ich mich von meinem geradlinigen Lebenslauf verabschiedet habe, mit Ansage und vielleicht auch Nachtreten. Und ja, diese romantisierte Vorstellung von “breaking free” und “tue, was du liebst” ist toll und alles, aber die Realität ist häufig einfach beschissen. 2018 war das Jahr, in welchem ich neben einigen mutigen Entscheidungen auch am meisten Tränen vergossen habe. Sich einfach so losreißen und einen Neustart hinlegen, das funktioniert nur im Film. Aber leider hatte ich nicht das Glück wie Rose DeWitt-Bukater, dass meine gesamte Vergangenheit auf der Titanic versinkt. Und zwar genau dann, wenn ich merke, dass ich in meinem Leben mehr verdiene als Bullshit auf Raten. Und ich habe leider auch nicht die finanziellen Mittel übrig, die Welt zu bereisen, um wieder Genießen zu lernen (kann ich nach wie vor ziemlich gut) und mich in Meditation und Glück zu üben, wie die gute Liz Gilbert.

Genauso unrealistisch wie diese überkitschigen Filme ist auch die Vorstellung von ausschließlich harmonischen Weihnachten. In diesem Jahr wird bei mir kein vermeintliches Vorankommen sichtbar sein. Und nach unbeschwertem Vorankommen fühlte es sich ja auch nicht an. Dafür eher wie der Weg durch das Undicht auf eine Alternativroute. Und diese Route führt vielleicht irgendwann zum Meer. Oder vielleicht bin ich auch ein paar Schritte zurück gegangen — um neue Ziele in den Blick und Anlauf darauf nehmen zu können.

Ich kann ehrlich gesagt nicht beantworten, ob es mir besser oder schlechter geht als im vergangenen Jahr. Die Rahmenbedingungen sind einfach anders. Und gleichzeitig bin ich wahnsinnig stolz auf mich und auf die getroffenen Entscheidungen. Und ich bin wahnsinnig dankbar, dass ich so tolle Wegbegleiter habe, die mich maximal unterstützt haben und an mich glaubten, als ich es nicht konnte.

Ich bin voller Vorfreude auf das kommende Jahr. Ich arbeite daran, meine Träume zu verwirklichen. Und ich kann zufrieden mit mir sein, wie das Jahr nach Turbulenzen und Talfahrt letztlich endet. Und an diesem Punkt ist es dann auch völlig egal, was die Verwandtschaft sagt.

Ich wünsche frohe Weihnachtsfeiertage. Stresst euch nicht zu sehr. <3


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