Es gab Steine – Kappadokien

April 1, 2016 by Julia
Reisen

Mitte März in Istanbul, 20.00 Uhr, Taşkışla Caddesi am Gezi Park, Taksim. Ein kühler, regnerischer Abend, an dem wir noch einige Zeit auf verschiedenste Dinge warten sollten, um dann gegen 23.00 Uhr endlich die Stadt zu verlassen. Unser Ziel war Zentralanatolien, um genauer zu sein: Kappadokien. Und wie sich das für Trips gehört, wird die erste Nacht im Bus verbracht, um sich morgens entspannt und gutgelaunt den ersten Aktivitäten zu widmen. Nicht. Völlig verschlafen wandelten wir Freitagmorgens aus dem Bus, wenigstens war es schön sonnig und auch schon ziemlich warm. Landschaft cool, unser Guide kann gut Englisch, wird schon okay, dachten wir. Bis wir realisiert hatten, dass wir oben sind. Und runter ins Tal müssen. 300 Treppenstufen, die in türkischer Manier natürlich auch alle unterschiedliche Höhen haben. Und später dann auch wieder hoch. Dennoch habe ich es genossen, in diesem Tal zu sitzen, etwas grün um mich herum, ein klarer Bach neben mir und einfach Ruhe. Der krasse Kontrast zu Istanbul, das ich 12 Stunden vorher verlassen hatte. 

Nach einer Underground-Stadt/Siedlung und weiterer Busfahrt haben wir uns dann die coolen Felsformationen Kappadokiens angeschaut und natürlich unfassbar viele Fotos gemacht. Abends gab es dann noch zu wenig Rotwein für unsere Gruppe von insgesamt rund 150 Erasmusstudenten, bevor es ins Hotel ging. Für uns gab es keine Zimmerparty, da wir den nächsten Morgen um 04.30 Uhr aufstehen mussten, denn wir haben eine Ballontour im Sonnenaufgang gemacht! Das absolute Highlight des Trips! Und wenn ich jetzt drüber schreibe, habe ich wieder ein Grinsen im Gesicht.

Den restlichen Tag haben wir uns wieder Täler angeschaut, und ein Freilichtmuseum, das mal ein Kloster war. Eigentlich waren das nur viele Höhlen in Felswänden mit alten Malereien von Jesus, der Jungfrau Maria und sonstigen christlichen Motiven. Entschuldigt mein nicht allzu großes Interesse, ich schau mir das gerne an, aber meine Begeisterung dafür liegt eher so bei 20 Prozent. Später sind die meisten dann noch Quad-Fahren gegangen (oder auch nicht, so ganz habe ich das nämlich nicht verstanden) und wir sind mit dem Taxi ins Hotel zurück, um zu duschen und zu essen. Denn abends wurde für uns eine traditionelle Türkische Nacht mir Rakı (und glücklicherweise auch Wein) organisiert, und da wir so viel trinken konnten wie wir wollten, brauchten wir natürlich etwas Grundlage. Dass die Türkische Nacht wirklich interessant und vor allem auch ziemlich spaßig war, muss ich glaube ich nicht mehr erwähnen.

Den letzten Tag sind wir dann zum Love Valley gefahren und den letzten Kilometer bei 22 Grad und Sonnenschein dorthin gewandert. Love, weil naja, das ist vielleicht die schönere Bezeichnung für „Penis Valley“. Später waren wir dann noch in Avanos und sind wagemutig über eine ziemlich instabile Hängebrücke gelaufen um Mittagessen aufzutreiben und Proviant für die Rückfahrt zu besorgen. Und dann war Kappadokien auch schon vorbei und wir sind zurück nach Istanbul gefahren.

Zur Rückfahrt: Den ersten Stopp haben wir am Tuz Gölü (Salzsee), dem zweitgrößten See der Türkei gemacht. Im Sonnenuntergang. Mein viertschönster Sonnenuntergang hier in der Türkei. Und die salzhaltige Luft hat einfach so unfassbar Lust auf Meer gemacht! Freue mich schon auf Izmir und Ölüdeniz! Der zweite Halt war dann in Ankara – unfreiwillig, da das Getriebe des Motors nicht mehr so wirklich wollte und nur noch der dritte Gang funktionierte. Als ich dann nach der Uhrzeit auf meinem Handy schauen wollte, las ich nur eine Eilmeldung meiner Tagesschau-App: „Ankara: Anschlag mit mehreren Toten“. Das war echt ein ziemlich seltsamer Moment. Die restliche Fahrt bis nach Istanbul haben wird dann das Vampir-Spiel (oder: Mafia/Mord in Palermo/Werwölfe/whatever) gespielt, das tatsächlich in allen Nationen der Mitspieler bekannt war. Das fand ich richtig cool, und die Zeit ging somit auch echt schnell um. Zurück in Istanbul wurden wir dann aber leider auch genauso empfangen wie abgereist: Mit Regen.

 


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