Einmal wieder: Die Heimatfrage

Mai 31, 2017 by Julia
Persönlich

Ich finde Bielefeld fantastisch. Ich habe tolle Menschen hier getroffen, ganz besondere Menschen kennen und lieben gelernt und bisher auch viele tolle Erfahrungen gemacht. Ich nenne Bielefeld mein Zuhause, kehre immer wieder gerne in die Stadt zurück, ob nach kürzeren oder längeren Trips. Aber jetzt, nachdem sich die erste enge Freundin aus Bielefeld nach Berlin verabschiedet hat und die anderen liebsten Freundinnen auf mittel- bis langfristige Sicht auch nach anderen Städten umsehen, stellt sich mir unweigerlich die Frage, wo ich überhaupt hin möchte.

Nach Istanbul muss es Stadt sein. Das Dorfleben fande ich seinerzeiten schon langweilig und die wochenendlichen Alkoholeskapaden demnach nur logisch konsequent. Und es ist zur Zeit immer noch so: je größer, desto besser. Ich war in den vergangenen zwei Monaten sowohl zweimal in Frankfurt und in Berlin. Beides fantastische Städte in Deutschland, finde ich jedenfalls. Daher auch in den Top 3 meiner Zukunftsplanung.  (mehr …)


2017 is about rising and growing up

Mai 7, 2017 by Julia
Persönlich
one comment

Ich wünschte, ich könnte mehr über das Thema Reisen berichten. Allerdings ist Reisen zum einen eine kostspielige Angelegenheit, zum anderen ist meine Zeit dieses Jahr maßgeblich beschränkt. Nach Ende der Klasurenphase war ich mit zwei meiner liebsten Freundinnen in Porto und haben uns die erste Frühjahrsbrise um die Nase wehen lassen, gut gegessen und die wundervolle Altstadt besichtigt. Obwohl es nur ein paar Tage waren, konnte ich mich in dieser mediterranen Atmosphäre richtig gut erholen. Aber dann kam reisetechnisch trotz Semesterferien nichts mehr. Keine weitere Reise, und bisher ist auch noch keine weitere geplant.
Im vergangenen Jahr war ich wirklich viel unterwegs. Istanbul war meine Base und von dort aus bin ich in die Heimat, nach Salzburg zum Skifahren, nach Kappadokien, Eskisehir, Izmir und Fethiye gestartet. Danach kam noch Sylt, Irland und Rumänien. Wenn mich jemand für ein wenig wahnsinnig hält, ist das nach dieser Aufzählung durchaus in Ordnung. Ich habe 2016 viel gesehen und bin dankbar für alles, was ich gesehen habe. Wirklich überall hatte ich eine schöne Zeit und durfte fantastische Erfahrungen machen.

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Allein unterwegs – Irland im Osten & Westen

April 29, 2017 by Julia
Reisen

Im August 2016 habe ich etwas zum ersten Mal gemacht: Ich bin alleine in ein Flugzeug gestiegen und in ein anderes Land geflogen. Meine Reise ging nach Irland, wo ich etwas mehr als eine Woche verbracht habe. Nun gibt es schon viele Blogposts, die das pro und contra vom alleine Reisen beleuchten und diskutieren, aber das möchte ich gar nicht. Einen guten verlinke ich gerne hier. Alleine verreisen ist auch nicht besonders mutig, sondern für mich eine Frage der Alternative. Ich habe meinen Flug nach Irland gebucht, weil ich unbedingt raus wollte. Ein weiteren Sommer habe ich im Sauerland verbracht, nachdem ich 10 Monate in Istanbul wohnte. Die Stadt, die nicht schläft. Nie. Ich erinnere mich an eine Situation, nachts um drei Uhr auf der Istiklal Caddesi. Charlotte hatte einen Gast aus London, mit welchem wir die Clubs und Bars der Stadt unsicher machten. Seine Worte: „This is absolutely crazy. In London, the people would go to sleep now, but look at this! It’s still super crowded! I really can’t believe it.“ Uhm, okay. Ich dachte eigentlich immer, London wäre mindestens genauso verrückt. Ist es vermutlich sogar auch, aber das Nightlife konzentriert sich vermutlich nicht auf einen Stadtteil. Oder eineinhalb, wenn man Kadiköy mit einschließt, wo es auch fantastische Bars gibt. Ich bin immer wieder erstaunt, wie ich abschweifen kann, wenn es um Istanbul geht. Was ich sagen will: Ich musste raus. Mir fiel die Decke auf den Kopf.

Als ich in Dublin das Flughafengebäude verließ und den Bus suchte, fragte ich mich das erste Mal, was ich dort eigentlich machte. Ich hatte mir kaum einen Plan gemacht und wusste nichtmal genau, wo das Hostel lag. Ein Glück gab es im Airport-City-Shuttle Wifi und ich konnte es zumindest grob herausfinden. Erste Entspannung setzte ein und ich sammelte erste Eindrücke im Vorbeifahren. (mehr …)


#istanbulrecap: Aus gegebenem Anlass

April 16, 2017 by Julia
Istanbul / Persönlich
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Aus gegebenem Anlass 1

Teil zwei meiner Serie #istanbulrecap. Eigentlich ist die Bezeichnung nicht treffend und ich habe auch keine Restaurant- oder Sightseeing-Tipps in diesem Post. Es sind die paar Worte, die ich nach dem Putschversuch niedergeschrieben hatte, aber nicht gut genug fand, um sie zu veröffentlichen. Aber da sich heute die Zukunft der Türkei vermutlich maßgeblich entscheidet, finde ich meine damaligen Gedanken doch wieder interessant. Ironischerweise habe ich von meinen Eltern zu Ostern heute das Buch „Cevdet und seine Söhne“ von Orhan Pamuk geschenkt bekommen. Ein Buch, das die Anfänge der türkischen Republik in Istanbul beschreibt. Ich hoffe das Beste für dieses noch recht junge Land. Wie auch immer das aussehen mag. 

Wenn immer ich etwas posten wollte, überschlugen sich die Ereignisse in der Türkei. Erst der Anschlag am Atatürk-Flughafen, dann der versuchte Militärputsch. Und seitdem vergeht kein Tag ohne erneute schockierende Meldung aus der Türkei. Schockierend zumindest für alle Befürworter von Menschenrechten.

Ich mag es nicht, vorschnell Schlüsse zu ziehen, sobald etwas passiert ist. Nicht immer ist die Lage Stunden später klar, Gerüchte entstehen, und später meist dann auch Angst. Da ich nicht in Istanbul war, kann ich auch nicht viel dazu berichten. Dennoch bin ich zutiefst traurig über alle Opfer, die diese Geschehnisse forderten. Und ich meine hiermit auch den beginnenden Verfall der Demokratie, die sich weiter aufspaltende Gesellschaft und das Bild der Türkei, vor allem aus westlicher Sicht. Ich bekomme immer wieder mit, wie Menschen negative Worte über die Türkei generell verlieren, mit der Begründung, sie hätten Angst, dorthin zu fliegen. Wie hier bereits geschrieben, sollte niemand Angst haben müssen und es ist jedermanns gutes Recht, sich dort aufzuhalten, wo er sich sicher fühlt. Aber ist das ganze Land schlecht, weil die politische Lage momentan ziemlich instabil ist?

In der Türkei hat für mich während meiner ganzen Zeit die Politik nur passiv eine Rolle gespielt. Aktiv konnte ich (fast) tun und lassen, was ich wollte – ich meine jene Dinge, die ich auch in Deutschland oder woanders getan hätte. In meinen Erinnerungen sind es nicht die mehr oder minder kritisierbaren Entscheidungen Erdogans, die mein Aufenthalt in der Türkei ausmachen, sondern die vielen Gläser Cay abends mit Freunden, Sonnenuntergänge, das Geschrei der Möwen, Traumstrände, frisches Obst und Gemüse, tolle Landschaften, herzliche und hilfsbereite Leute und auch die Rufe der Muezzine, fünfmal täglich. Was ich sagen will: Die Türkei ist viel, viel mehr als das, was man momentan in den Nachrichten liest. Und mir gefällt es nicht, wenn das in Vergessenheit gerät.


Abendgestaltung

April 14, 2017 by Julia
Persönlich

Ich bin vielleicht etwas zu spät mit dieser Empfehlung hier. Die ganze Welt ist gefühlt abhängig von Netflix und ich habe permanent das Gefühl, da nicht mithalten zu können. Ich schlafe abends bei Serien wirklich gerne ein und muss die Folgen dann ein zweites Mal schauen. Auch finde ich es echt häufig schwer, in den Plot einzutauchen und mit den Charakteren mitzufühlen. Aber es gab jetzt letztens wieder eine Serie, die das bei mir geschafft hat: Please Like Me. Sechs Episoden an einem Abend und das generelle Beenden aller Staffeln sind definitiv ein Beweis, dass ich die Serie unfassbar gut finde.

Worum es geht? Vorrangig: Einen Typen, mit dem Schluss gemacht wird. Und dabei den netten Hinweis erhält, er sei schwul. Stimmt auch so, und jenen Abend hat er auch schon männliche Begleitung bei sich zu Hause. Bis der Vater anruft und erzählt, dass seine Mutter versucht hat, sich umzubringen. Klingt nach Chaos? Ist es auch. Anfangs eventuell zu viel, um real zu sein, später allerdings genau richtig, um realistisch darzustellen, wie weird das Leben teilweise so verlaufen kann. Mit der Liebe, mit einer auf ihre eigene Weise interagierenden Familie inklusive geschiedener Eltern, und mit verdammt tollen Freunden. Meiner Meinung nach ist „Please Like Me“ so eine unglaublich vielschichtige und herzliche Serie, und es geht für mich auf jeden Fall vorrangig über Beziehungen, sowohl zu Freunden als auch Familie. Und um die Frage, wer man sein möchte. Zumal die Serie bei mir aufrichtig Emotionen ausgelöst hat. Ich saß vor meinem Laptop und lachte laut — alleine! — oder hatte auch mal feuchte Augen. Ich kenne wirklich kein größeres Kompliment.

„Please Like Me“ gibt es mit allen vier Staffeln auf Netflix. Und, ach ja: I maybe fell in love with Wade Briggs.


#istanbulrecap: Kahvalti

April 8, 2017 by Julia
Istanbul

#istanbulrecap: Kahvalti 1

 

Teil eins meines #istanbulrecap soll um meine Lieblingsmahlzeit gehen. Die Texte der Reihe sind in der Regel schon länger geschrieben, wurden aber zuvor nicht veröffentlicht. Ich versuche in dieser Reihe auch Tipps für einen Aufenthalt in Istanbul mitzugeben. #istanbulrecap wird demnach auch so etwas wie mein kleiner, persönlicher Guide für Istanbul. Viel Spaß beim Lesen!

Einen Monat lang bin ich nun schon in Deutschland. Der Kulturschock ist überwunden, mein türkischer Wortschatz wird leider ein bisschen geringer (ist aber dank Harika weiterhin in Benutzung) und ich arbeite nun mal wieder 40h die Woche. Das bedeutet Aufstehen um 04:30 Uhr und den Rest des Tages dann semi-wach überleben.

Mein Leben hier zurück auf dem Land kann kaum gegensätzlicher zu dem in Istanbul sein. Ein Jahr lang hatte ich keinen Alltag. Und irgendwie war das auch ein bisschen anstrengend, aber sehr spannend und hat mir vor allem auch sehr viel Spaß bereitet. Es gab selten zwei aufeinanderfolgende Tage, an denen ich zur gleichen Zeit ins Bett und geschweige denn aufgestanden bin. Aber eine Sache hatte Beständigkeit: Kahvalti. Also türkisches Frühstück. (mehr …)


Nicht-Alltag und Kompromisse

September 6, 2016 by Julia
Allgemein / Uncategorized

Zum Einjährigen.

Meine Abreise nach Istanbul und meine Rückkehr nach Bielefeld liegen fast genau ein Jahr auseinander. Ganze 364 Tage. Und das veranlasst mich unterbewusst dazu, meine Zeit in Istanbul intensiver zu vermissen als sowieso schon.

Ich mag Bielefeld aufrichtig. Es ist schön, grün, nicht zu laut, zu hektisch, zu groß. Überschaubar. Trotzdem irgendwie lebhaft. Auf eine ostwestfälisch-zurückhaltende Weise. Meiner Meinung nach auch groß genug, um in einer angenehme Anonymität abzutauchen, aber klein genug, um guten Freunden häufiger mal einfach so über den Weg zu laufen. Wie eigentlich schon zu erwarten, kommt jetzt das Aber. Ich bin immer noch verliebt. In Istanbul. Und diese Liebe tut sich schwer mit Kompromissen.

Zu Anfang hatte ich das Gefühl, dass ich den Abschied besser wegstecke als erwartet. Aber nachdem ich meinen Sommer mit Arbeiten und Reisen nun hinter mich gebracht habe und jetzt in so etwas wie Alltag zurückkehre, vermisse ich meinen Nicht-Alltag in Istanbul. Ich bin fast nie zwei Mal hintereinander um die gleiche Uhrzeit aufgestanden, habe es nie geschafft, zu den gleichen Zeiten zu Essen. Mein Leben war ein einziges Chaos von Außen betrachtet, und ich habe es geliebt. Ich habe Pläne über den Haufen schmeißen müssen und gemerkt, dass eben jenes viele neue Möglichkeiten für mich offen hält. Und so habe ich dann auch irgendwann das aufwendige Planen sein lassen. Und genau dadurch fühle ich mich freier denn je. Natürlich, meine To Do-Listen kann ich nicht sein lassen, denn daran hängt quasi meine ganze Disziplin, aber wenn etwas nicht klappt, kann ich gelassen reagieren. Und manchmal – und das passiert nicht selten – sehe ich im Rückspiegel, dass es so auch gut ist.

Hier in Bielefeld habe ich aber nicht Nicht-Alltag. Ich habe jeden Tag To Do-Listen und muss auch wieder anfangen, langfristig zu Planen und mir Ziele zu setzen. Das macht mir Angst. Keine panische Angst, aber eine solche, die einem das Herz schwer wie Blei werden lässt und einen irgendwie runter drückt. Und dann denke ich an Istanbul – die Stadt, die Leute, das Wetter, den Bosporus, die Sonnenuntergänge. Mein Leben. Herzklopfen. Erinnerungen. Melancholie.

Keine Stadt ist wie Istanbul. Selbst ist diese Stadt ein Kompromiss zwischen Ost und West, zwischen Asien und Europa, und genau deshalb vermisse ich Istanbul. Und das jeden Tag, den ich nicht dort bin. Ich fühle mich hier in Bielefeld zu Hause. Aber nicht annähernd so, wie ich es in Istanbul tat. Letztendlich mache ich mit dieser Liebe überall außerhalb der Stadt selbst Kompromisse. Aber die beste Medizin habe ich bereits gefunden: Der Kontakt zu meinen Istanbul-Liebsten. Gemeinsam leidet man eben doch weniger.


Berühmt, berüchtigt – Ölüdeniz

Juni 21, 2016 by Julia
Reisen

Meine letzte Woche in der Uni habe ich eigentlich gar nicht so viel in der Uni verbracht. Ich war bei Current Economic Issues anwesend und bei Macroeconomics so etwa die Hälfte der Zeit. Das war es dann auch schon, da der allerallerallercoolste Trip bevorstand: Fethiye – Ölüdeniz, zum zweiten Mal.

Leute, die bisher nur wenig Kontakt mit der Türkei hatten, können trotzdem schonmal was davon gehört haben: In Facebook-Videos oft als „magical place“ beschrieben und gezeigt, oder als Foto in Reisekatalogen, hat Ölüdeniz einen der tollsten Strände, die ich je gesehen habe – die Blaue Lagune. Zudem ist der Ort bekannt für Paragliding von seinen 2000m+ hohen Bergen. Ölüdeniz heißt übersetzt übrigens Totes Meer, da es in der Blauen Lagune in der Regel keinen Wellengang gibt. (mehr …)


One Way Ticket, Nummer Zwei

Juni 15, 2016 by Julia
Istanbul

Meine Zeit in Istanbul ist vorbei. Letzten Freitag um 10.40 startete mein Flieger in Richtung Düsseldorf. Hinter mir lagen zwei oder drei Tage voller Abschiede, mein Leben in einem 33kg-Koffer, eine durchfeierte Nacht, eine tränenreiche Taxifahrt. Auf meinem Sitz dann angeschnallt zur Startbahn rollend dann unweigerlich Recap. Allein der Gedanke an diesen Moment treibt mir wieder das Wasser in die Augen.

Die definitiv bisher intensivste Episode meines Lebens is jetzt passé und ich bin wirklich dankbar für meine Erfahrungen in Istanbul. Ich habe grandiose Menschen kennengelernt und ins Herz geschlossen und in Vildans Wohnung ein Zuhause gefunden. Das was ich fühle ist definitiv mehr als Melancholie, und das wird schätzungsweise auch noch einige Zeit so bleiben.

Trotzdem freue ich mich auch auf das, was kommt. Meine Zukunftspläne sind noch so unkonkret, aber ich habe viele Ideen, was ich gerne noch machen möchte. Istanbul hat mein Fernweh definitiv wachgerüttelt. Daher wird dieser Blog auch weiterhin bestehen bleiben. Erstmal muss noch einiges an Istanbul-Inhalt abgearbeitet werden, wenn ich nach sehr erlebnis- und emotionsreichen Wochen jetzt die Zeit dazu finde. (Ich hatte nach den Finals nämlich auch noch einmal Besuch <3.) Und ich freue mich natürlich auch auf das Wiedersehen mit meinen Lieblingsmenschen aus Istanbul. Eine Ausnahme ist da Charlotte, die mich am Freitag direkt am Airport in Düsseldorf abgeholt hat. Sonntag sind wir dann ziemlich spontan gemeinsam in den Urlaub nach Sylt gefahren. Ja, alle die uns kennengelernt haben, dürfen jetzt lachen. Strongest Erasmus-Couple ever, haha. Somit  freue ich mich gerade am meisten auf das Wiedersehen mit Istanbul, meinem Zuhause 5000km entfernt meiner Heimat. Hoşça kal, my dear.


Sechster September

Mai 28, 2016 by Julia
Istanbul

Es ist der Samstagmorgen nach den Finals, und ich sitze in meinem Zimmer hier in Mecidiyeköy, Fenster offen, Sonnenschein, höre die Möwen gackern, Geräusche von der Straße und hin und wieder Menschen sprechen. Dazu ein frisch gebrühter Kaffee, europäische Art. Mein Studium hier ist nun offiziell vorbei und es beginnt die Zeit des Abschiedsnehmens von Istanbul. Ich habe ewig gehadert mit diesem Blogpost, einerseits, weil ich noch nicht Abschied nehmen wollte und andererseits, weil er sehr persönlich ist – für mich jedenfalls. Ich habe noch so viele Ideen für Blogposts, schon einige Entwürfe fertig, aber manchmal brauchen diese einfach den richtigen Zeitpunkt, um veröffentlicht zu werden. Und das fühlt sich jetzt gerade richtig an.

Ich schaute letztens durch die Fotos, die auf meinem iPhone gespeichert sind, da ich es für die bessere Alternative zum Lernen hielt. Bis ich irgendwann zu dem Foto vom 6. September 2015 kam – das Foto, das in Düsseldorf am Flughafen entstand. Dort, wo mein Abenteuer Istanbul begann, mit einigen Tränen in den Augen, aber auch ganz viel Vorfreude. Knapp ein Jahr in einer Stadt, die ich nie zuvor gesehen hatte, aber für ganz viel Chaos bekannt war. Ich hätte nie gedacht, dass ich solch eine Entscheidung treffen würde. Ein Glück, dass Istanbul so gut zu mir war und diese Entscheidung bisher eine der besten in meinem Leben ist. Eine, die mich von dem Menschen entfernt hat, die ich auf dem Foto vom letzten September war.

Istanbul hat mir viel beigebracht. Jetzt würde ich meine Zeit hier weniger ein Abenteuer nennen, sondern eher eine Lektion – und das meine ich ohne jede mögliche negative Konnotation. Ich habe gelernt, wie ich riesige Kreuzungen mit chaotischem Verkehr am schnellsten sicher überquere. Und wie ich mich am schnellsten durch große Menschenmengen bewege (Stichwort: Istiklal). Mit 10l-Wasserfässern kleine Flaschen (500ml) zu befüllen. Wie ich mit einer Caffettiera Kaffee koche. Und Tee mit einem Teekessel. Ich habe gelernt, mir keine Gedanken um meine Ernährung zu machen, sondern einfach zu genießen. Ich habe Tavla spielen gelernt. Ich habe einiges über Finanzkrisen gelernt, über die Weltwirtschaft und Ungerechtigkeit. Ich habe immer wieder gelernt, Abschied zu nehmen. Ich kann jetzt Verantwortung für mich selbst übernehmen. Sorgsam sein. Ich bin sehr viel gelassener geworden. Und kann kleine Krisen selbst überwinden. Ich habe ein wenig Smalltalken gelernt, dennoch ist da immer noch genug Luft nach oben. Ich habe gelernt, Dinge ernst zu nehmen – und andere ein wenig lockerer zu sehen. Ich habe gelernt, alleine zu sein. Ich weiß nun, was richtig gute Freundschaft bedeutet! Und dass diese manchmal schwieriger ist als jede andere Art der Beziehung. Aber vor allem habe ich in Istanbul eines gelernt: Ich bin okay, so wie ich bin.


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